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Title: Frankie oh! in Düsseldorf
Author: Clara Drechsler
Source: Spex

Frankie Oh! in Düsseldorf

Nun kann mir keiner nachsagen, ich würde Frankie nicht mögen. Ich mag »Krisco Kisses«, »Power Of Love«, “You’re The Only Star In Heaven« — so sehr, daß ich bereit bin zu behaupten, daß sie ohne Trevor Horns breitgetretene, launische Produktion genauso gut dran wären, vielleicht besser. Auch Leute, die um halb elf mit dem Bus in Berlin aufbrechen, um nachmittags um drei einen Interviewtermin wahrzunehmen, haben für mich ein gewisses Etwas. So liebenswert weltfern, entrückt. Dafür waren sie bei der Ankunft angeblich bester Laune und rissen ein Konzertchen runter, ohne sich nachweislich zu echauffieren oder engagieren. Schlichtweg die brave Sollerfüllung.

Wer hätte nicht gerätselt, wie das vielbeschworene ZTT-Anliegen, dem Zuschauer etwas zu bieten, in Natura sich präsentiert. Wie der Hype lebt! Wie wir aile überrascht und überwältigt und insbesondere übertölpelt werden würden! Es werde Unsinn!

Große Überraschung, große Lightshow. Do sind wir aber baff. Bei »Welcome To The Pleasure Dome« wölbt sich eine blinkende, leuchtende, bunte Kuppel übers Geschehen auf der Bühnenmitte (obwohl nur indirekt was geschieht), sodaß einem ein bewunderndes Ei der Daus entzischt, so stark sieht das aus. Damit jeder weiß, welches Stück wir grade haben, begleiten hilfreiche Symbole durch das Programm — Herzchen, Kreuzchen usw. Gut mitgedacht! Klasse sind die weißsprühenden Explosionen am Bühnenrand, Qualm und gleißende Fünkchen. Sau-stork. Der Rest ist Relax. Es gibt Dinge im Leben, zu denen man nicht nein sagen kann, und eins davon ist — wumm-bumm-bumm — dieses endlose Vor-den-Latz geknalle, ex cathedra und ab dafür. Stundenlang kann man sowas hören, eine Tatsache, die von Frankie (oder wem auch immer) erkannt und, aller Faszination brutal entkleidet, zur Erzeugung von Begeisterung eingesetzt wird.

Ergebnis: Zur Halbzeit noch gewinnend, dann folgt der sanfte Absturz, der zuallererst dem ZTT-typischen orchestralen feierlichen ewig langen ewig wogenden Soundgeschwänzel zu verdanken ist, das jedes Stück aufs ermüdendste komplettiert. Das dauert! Das nennt sich »etwas bieten«.

Meine Herren: do gehen sie baden. Die Eigenleistung der Akteure ist verschwindend gering. Es ist mir so mehr als gleichgültig, wo die Musik herkommt, vom Band, aus dem Jenseits, über Telefon — wenns Spaß macht… Was um Himmels Willen macht denn eine gute Show aus? Die Lämpchen? Der Qualm? Dos Reingeheimnissen, der Call & Response-Chor unter Terminzwang? Faaalsch! Der Mensch ist’s, der über die eigene Lightshow triumphierend sich erhebt… das wäre der Bombast. Das hier ist vielleicht noch Rockoper. Eigentlich ist es zum Heulen.

Es ist doch alles da, der unverwechselbare, unfehlbare Sound, das dumme selbstklebende Cruising-Image, auf das ouch kleine Mädchen stehen: wer will mir beweisen, daß das was anderes ist als Queen (ein bißchen abgepitschter, nicht so Machoselig altbacken) und ich wäre mit Queen zufrieden, denn die haben ouch Momente, da kann man nicht nein sagen. Ich würde Frankie lieben, wenn sie mich öfter erinnerten, welch bübisches, komisches, kindsköpfiges Sing — und Tanzbärchen Holly Johnson ist und Paul Rutherford, die Zierde der lokalen Schwulendisco, ein Schnäuzer-aber-halb-so-wild netter Kerl, der zwar nichts zu tun hot, aber trotzdem unverzichtbar ist. Daß sie sexy sind wie junge Hündchen. Und sentimental. Und Gitarrenwichser und Schlagzeugquäler. Sei’s drum.

Aber ein Kerkerleben zwischen Pleasuredomes und Dia-Symbolismus, umgeben von Horns Sound-Minenfeldern… Oh Frankie. Das ist stinklangweilig. Das wird nie ein »Frankie have just left the house«. Das bleibt ein »Frankie say no more«.

P.S. Das Publikum tobte.