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Title: The Art Of Noise
Author: Michael Reinboth
Source: Promotional item

THE ART OF NOISE

Pssst! Das klickende Geräusch des Tropfens, der aus dem Wasserhahn rinnt und im Waschbecken explodiert. Nebenan die schwerhörige Alte, die ihren Fernseher wieder zu laut dreht. Ein Glucksen im vollgefressenen Magen. Die tikken de Zeit und der Schrei eines sich artikulierenden Politikers. - Überall ist Art Of Noise.

Die Welt ist voll davon, man muß nur hinhören, urn die Schönheit der unperfekten Töne zu entdecken. Art Of Noise interessieren sich für das Unperfekte in den Tönen. In gewisser Weise sind sie Müllmanner. Sie sammeln akustischen Müll und machen etwas daraus. “Wenn uns ein Geräsuch zu perfekt klingt, machen wir etwas damit, urn es zu verzerren”, sagte Anne Dudley in einem Interview mit der Zeitschrift Elaste.

Wer Art Of Noise kennt, weiß, daß sie weder schräg, monoton noch kaputt klingen, sondern die elektronischen Klänge zu einer harmonischen Collage zusammenfügen. Mit modernster Studiotechnik entwickeln sie aus den gesammelten Versatzteilen ihres musikalischen Archives einen ultramodernen Sound. Da prasseln Beat-Box-Rhythmen auf sphärische Streichermelodien, werden Stimmen ‘gesampelt’, oder die typischen Art-Of-Noise-Wiedererkennungselemente, Türknallen, Anlassen, Anfahren, ursprünglich von Anne’s Wagen, ergänzen als quirlig routierende Breaks den Industrie-Beat. Filigrane Pianofiguren oder das Brandenburgische Konzert stehen plötzlich in einem veränderten Kontext. Immer ist es die kunstvolle Fügung des Materials, die Art Of Noise zu einer Band macht, die wie kaum eine andere eine neue Dimension der populären Musik repräsentiert.

Dazu gehört einerseits ein hohes Maß an technischer Perfektion und ausreichend Praxis, andererseits ein ständiges Beobachten und Einfühlen in die extravagante Welt der Musik, der Mode und des Designs.

“The Art Of Noise suddenly realized… what could be seen in the evolution of record album covers which followed general patterns in advertising. At first (1950/mid 60ies) a full frontal image of the star dominated covers; later a more subtil, complex image was to be given by codes all design motifs which constitute the stars image in his or her absence. This coincides with decline of personality sponsorship in advertising and the rise of signs of connotation, often totally arbitrary to the function of the project. This evolution indicates the integration or rock music into the world of fashion and design.” (Auszug aus Covertext von “Who’s Afraid Of The Art Of Noise”)

Nur schwer läßt sich in der aktuellen Musik ein Pendant finden, das unter ähnlichen Vorzeichen so ausgefallene und ausgetüftelte zeitgemäße Musik macht wie The Art Of Noise.

Vergleiche ich sie mit den unbestrittenen Heroes der westlichen Hemisphäre, Bill Laswell (als herausragenden Vertreter des Celluloid Clans), und der östlichen Hemisphäre, Ryuichi Sakamoto (als Japans unumstrittener Musik-Technokrat), haben Art Of Noise ihnen doch etwas voraus: die modische Komponente mit dem Non-Image.

Ihr spielerischer Umgang mit digitalisierten Tönen, die sie wie tausend Legosteine zu einem poppigen Gebilde zusammensetzen, rmöglicht es Art Of Noise - gerade weil sie kein Image besitzen -, in vielen Musikkategorien beheimatet zu sein. Sie benutzen Elemente der schwarzen und weißen Musik, die sowohl ethnische Percussion, traditionelle Beat-Box-Rhythmen, Klassik, E-Musik, Schlager und Pop sein können. Sie sind in den Club-, und in den offiziellen Charts vertreten und werden in den streng, geteilten amerikanischen Charts unter Black Artists gelistet. Außer Kraftwerk ist das noch keiner weißen europäischen Formation gelungen.

In den 50er und 60er Jahren passierte das Gleiche mit den Hitsingles des weißen Amerikaners Duane Eddy. Niemand wußte wohin mit seinem eigenwilligen Instrumental-Sound. Art Of Noise ließen den 48jährigen Ruheständler aus Nashville einfliegen, damit er sein “Peter Gunn” - Thema, das damals die zweitbestverkaulte Single der Musikgeschichte war und heute noch zu den bestverkauften Instrumentals überhaupt gehört, selbst spielt.

Das kakophonische Gitarrenthema, verdichtet durch harte Schläge, hereingeschmetterte Kreissäge-Synths und einer himmlischen Backing-Melodie, zeigt den typischen Hi-Tech, mit dem Art Of Noise bekannt geworden ist. Daß sie mit metallisch-scharfen Klängen und abermals gesampelten Stimmen, wunderschöne monumentale Stimmungen erzeugen könnne, bewies ihr “Beat Box”. Daß sie ebenso schön weichzeichnen können, bewies ihr minimalistischer Song “Moments In Love”, einer der schönsten Slowies der letzten Jahre.

Auf ihrer zweiten LP “In Visible Silence” transponieren die Noisemaker Dudley, Langan und J.J. ihr Archivmaterial in die Gegenwart. Noch so verwegene Geräusche finden den Weg in einen Musik-computer. Da kommt dann Pieter Botha zu Wort und Fall, da wird der Führer der englischen Liberalen Neil Kinnock durch den Fairlight gejagt und kommt mit anderer Gesinnung wieder heraus. Auf “The Chameleon’s Dish” reihen sich die buntesten Sperenzchen an aschfahle Töne. Ständig wechseln die Tempi und die Stimmungen, ohne daß alles auseinanderpurzelt. Das Unperfekte wird perfektioniert. “Opus 4” ist ein Rezitativ in der Gedichtform, die der Wiener Ernst Jandl als ‘konkrete Poesie’ begründete. “Paranoimia” ist ein minimalistischer Up-Funk mit einigen off-beats, genauso meisterhaft wie ihn Roger Troutman von Zapp auf “Zapp IV U” zelebriert.

Je mehr man sich aber mit den einzelnen Mosaiksteinchen beschäfftigt, desto mehr verliert man das Gesamtkunstwerk aus dem Auge. Davon würde auch ein konstituiertes Image nur ablenken. Wie die Residents sind The Art Of Noise eine gesichtslose Band, die eine universelle und kosmopolitische Spielform gefunden haben. All das impliziert auch ihr Name, der für mich zu den besten zählt, den sich eine anspruchsvolle Band geben kann.

Michael Reinboth

ANNE DUDLEY: Session musician, klassische Ausbildung mit Vorliebe für Jazz und Popmusik. Als Mitglied des Trevor-Horn-Teams zu Art Of Noises ZTT-Zeiten Keyboarderin und Verantwortliche für String-Arrangements auf u.a. ABC’s “Lexikon Of Love”, Malcolm McLarens “Duck Rock”, FGTH’s “Two Tribes” und “Power Of Love”. Darüber hinaus auch noch tätig gewesenfür u.a. Blancmanges “The Day Before You Came”, George Michaels “Careless Whisper”, Whams “Bad Boys”, Paul Mc-Ex-Beatles-Cartneys “No More Lonely Nights”. Arbeitete darüber hinaus mit Künstlern wie Thomas Leer, The Faith Brothers, LSO, Lloyd Cole und Bucks Fizz zusammen. Schrieb als Arrangeur Songs für eine ganze Reihe renommiertester Künstler wie u.a. ABC, McLaren, New Edition, Five Star und Helen Terry. Entscheidende Persönlichkeit neben Gary Langan und J.J. bei Art Of Noise.

Anne Dudleys Meisterwerk: ART OF NOISE

GARY LANGAN: Recording artist und Engineer und Produzent. Lernte in frühesten Tagen anhand seiner Produktionen für Queen (“A Night At The Opera” und “A Day At The Races”) und Elton John. Wurde dann Chief-engineer im Sarm East Studio. Arbeitete dort an so gegenläufigen Themen wie den Buggles (“Video Killed The Radio Star”) und den Yes. Weitere Kooperationen mit T. Horn bei Dollar, ABC, McLaren, Yes. Langan produzierte schließlich allein fur ABC “Lexikon Of Love” und schuf den “Below The Belt” Mix von Billy Idols “Flesh For Fantasy”. Außerden noch Jobs für Jody (Shalamar), McCartney und Scritti Politti. Aktuelle Werke, an denen Langan arbeitet(e): General Public “So Hot You’re Cool”. D Dream Academy Add. Overdubs & Mix “Life In A Northern Town”. Thereze Bazar Mix Single “Big Kiss” O-plod. By Arif Mardin. Sal Solo Overd. & Mix “Shout” & “Heartbeat”. Nik Kershaw Single Mix “Wide Boy”. Kane Gang Single Mix “Gun Law”. U.a. für The The, John Parr, Divinyls, Drum Theatre, Reformation’s Kids und: Art Of Noise.

Gary Langans Meisterwerk: ART OFNOISE

JONATHAN JECZALIK: Kreativling und Fairlight-Programmierer. Unter den väterlichen Händen von T. Horn arbeitet er mehrere Jahre beinahe exklusiv fur Horn. Dazwischen lag ein kurzer Exkurs mit Peter Collings (Prod. V. Nik Kershaw etc.), wurde dann eine der drei dorischen Säulen von Art Of Noise. Während J.J. die ersten aufsehenerregenden Erfolge mit A.O.N. verbuchen konnte, wollte Dick Bransons “Virgin”-Company J.J. Stephen “Tintin” Duffys “Kiss Me” produzieren lassen - er tat es. Daraus wurde europaweit ein Top Ten Hit. Seitdem arbeitete J.J. wiederholt an diversen 12”-Mixes, als da wären z. B.: FGTH. Yes. Stephen “Tintin” Duffy. McCartney. Kate Bush. Nik Kershaw. Godley & Crème. Pet Shop Boys. Dollar. ABC. Silent Running. Propaganda.

J.J.s Meisterwerk: ART OF NOISE

Chrysalis
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